BTC-Ralley
Mining Race: Bitcoin-Mining oder ein teures Rennen auf der Stelle?
Vorläufige Analyse – Stand: 12. August 2026
Einige von euch hatten mich gebeten, mir das sogenannte „Mining Race“ – teilweise auch als „Bitcoin-Rallye“ bezeichnet – genauer anzusehen.
Damit habe ich begonnen.
Diese Veröffentlichung ist ausdrücklich eine vorläufige Analyse. Wir stehen am Anfang der Recherche. Noch sind weder alle beteiligten Unternehmen und Personen geprüft noch sämtliche Zahlungsströme, Lizenzen und technischen Nachweise ausgewertet.
Trotzdem lässt sich das grundsätzliche Modell bereits erklären. Und eine erste Rechnung wirft erhebliche wirtschaftliche Fragen auf.
Was wird angeboten?
Mining Race verbindet Bitcoin-Mining mit einem mehrstufigen Vertriebs-, Bonus- und Rangsystem.
Der Einstieg erfolgt über einen sogenannten „Spot“. Dabei handelt es sich nach den eigenen Bedingungen um eine jährlich zu erneuernde Software- beziehungsweise Zugangslizenz. Der Spot selbst enthält noch keine Rechenleistung.
Zusätzlich können unter anderem angeboten werden:
„Cores“,
gemietete Mining-Leistung,
Mining Cards,
physische Mining-Geräte,
Stromkapazitäten,
Race-Belohnungen,
Empfehlungs- und Netzwerkvergütungen.
Ein „Core“ soll für zwölf Monate 1 TH/s Rechenleistung repräsentieren. Das Smartphone schürft dabei keine Bitcoin. Die App dient lediglich als Zugangs- und Verwaltungsoberfläche. Die tatsächliche Rechenleistung müsste durch externe ASIC-Miner in entsprechenden Mining-Anlagen erbracht werden.
Das ist technisch grundsätzlich möglich.
Die entscheidende Frage lautet daher nicht, ob 1 TH/s Bitcoin erzeugen kann. Das kann diese Rechenleistung.
Die entscheidende Frage lautet:
Wie viele Bitcoin werden damit tatsächlich erzeugt – und stehen Ertrag, Kosten, Gebühren und Auszahlungsmöglichkeiten in einem wirtschaftlich sinnvollen Verhältnis?
Die erste Modellrechnung
Unsere erste Berechnung basiert auf einer angenommenen Netzwerkleistung von ungefähr 893 EH/s.
Unter diesen Voraussetzungen würde ein Core mit 1 TH/s innerhalb eines Jahres ungefähr folgenden Bruttoertrag erzeugen:
Position
Ergebnis
Rechenleistung eines Cores
1 TH/s
Laufzeit
12 Monate
Erwarteter Bruttoertrag
ca. 0,00018 BTC
Reguläre Auszahlungsschwelle
0,002 BTC
Damit ergibt sich:
0,002 BTC ÷ 0,00018 BTC = 11,1
Ein einzelner Core müsste unter gleichbleibenden Bedingungen also mehr als elf Jahre laufen, um die reguläre Auszahlungsschwelle zu erreichen.
Der Core läuft jedoch nur zwölf Monate.
Alternativ könnten entsprechend mehr Cores gleichzeitig gekauft werden. Rein rechnerisch wären vor Gebühren mindestens zwölf bezahlte Core-Jahreslaufzeiten notwendig, um 0,002 BTC zu erzeugen.
Dabei handelt es sich noch um eine Bruttorechnung.
Die Gebühren verschärfen das Verhältnis
Die aktuellen Bedingungen nennen unter anderem:
eine Mining Fee von 10 Prozent,
eine Transaktionsgebühr von 2 Prozent,
eine jährlich zu erneuernde Spot-Lizenz,
weitere mögliche Kosten abhängig vom verwendeten Produkt.
Nach Abzug einer Mining Fee von 10 Prozent würden von 0,00018 BTC noch ungefähr 0,000162 BTC verbleiben.
Dann lautet die Rechnung:
0,002 BTC ÷ 0,000162 BTC = 12,35
Damit wären rechnerisch mindestens 13 Core-Jahreslaufzeiten erforderlich, um die reguläre Auszahlungsschwelle zu erreichen – vorausgesetzt, Netzwerkleistung, Mining-Schwierigkeit, Verfügbarkeit und Ertrag verändern sich nicht.
Genau das ist beim Bitcoin-Mining allerdings nicht garantiert.
Mining Race weist in seinen Bedingungen selbst darauf hin, dass die tatsächliche Rentabilität abweichen und Mining möglicherweise nicht profitabel sein kann. Mining Race – Terms and Conditions
Kann man auch unterhalb von 0,002 BTC auszahlen?
Die aktuellen Bedingungen sind an dieser Stelle bemerkenswert.
Einerseits wird erklärt, Mining Credits könnten beim Erreichen von 0,002 BTC ausgezahlt werden. Andererseits sollen Auszahlungen unterhalb dieser Schwelle möglich sein, wenn dafür eine Gebühr von 10 Prozent akzeptiert wird.
Damit ist die Schwelle möglicherweise keine absolute Auszahlungssperre.
Wirtschaftlich bleibt das Problem jedoch bestehen:
Wer nur eine sehr kleine Menge Bitcoin erzeugt, muss entweder lange warten, weitere Rechenleistung kaufen oder bei einer vorzeitigen Auszahlung einen zusätzlichen Abzug hinnehmen.
Ein steigender Bitcoin-Kurs löst das Mengenproblem nicht
Die Auszahlungsschwelle ist in Bitcoin festgelegt – nicht in Euro oder US-Dollar.
Steigt der Bitcoin-Kurs, steigt zwar der Geldwert des angesparten Guthabens. Die vorhandene Bitcoin-Menge verändert sich dadurch jedoch nicht.
Ein Beispiel:
vorhandenes Guthaben: 0,00018 BTC,
Auszahlungsschwelle: 0,002 BTC,
fehlende Menge: 0,00182 BTC.
Ob ein Bitcoin 60.000, 100.000 oder 200.000 Euro wert ist: Aus 0,00018 BTC werden dadurch nicht mehr Bitcoin.
Der Teilnehmer kommt der in Bitcoin festgelegten Auszahlungsschwelle durch einen Kursanstieg keinen einzigen Satoshi näher.
Er müsste weitere Bitcoin schürfen. Dafür benötigt er weitere Laufzeit oder zusätzliche Cores.
Ab welchem Bitcoin-Kurs trägt sich ein Core überhaupt?
Nach den uns vorliegenden Vertriebsinformationen kostet ein Core 25 US-Dollar.
Bei einem angenommenen Jahresertrag von 0,00018 BTC müsste ein Bitcoin im Jahresdurchschnitt ungefähr 138.900 US-Dollar wert sein, damit der Bruttoertrag rechnerisch 25 US-Dollar erreicht.
Nach Abzug der genannten Mining Fee von 10 Prozent läge der erforderliche Bitcoin-Wert bereits bei ungefähr 154.300 US-Dollar.
Noch nicht berücksichtigt sind dabei:
die Spot-Lizenz,
Transaktionsgebühren,
mögliche weitere Abzüge,
Veränderungen der Mining-Schwierigkeit,
Ausfälle oder schwankende Hashrate,
die Alternative, für 25 US-Dollar direkt Bitcoin zu kaufen.
Die Auszahlungsschwelle allein beweist deshalb noch keine fehlende Rentabilität. In Verbindung mit Kaufpreis, Gebühren und Laufzeit zeigt sie aber, wie eng die wirtschaftliche Rechnung ist.
Wenn ein Gewinn hauptsächlich davon abhängt, dass der Bitcoin-Kurs erheblich steigt, stellt sich zwangsläufig die Frage:
Warum sollte ein Kunde ein zusätzliches Mining-, Lizenz- und Provisionssystem bezahlen, anstatt unmittelbar Bitcoin zu kaufen?
Woher kommen die Provisionen?
Nach den uns vorliegenden Vertriebsdarstellungen werden unter anderem beworben:
10 Prozent auf direkte Spot-Abonnements und Verlängerungen,
5 Prozent auf bestimmte Karten- oder Gerätekäufe,
4 Prozent Netzwerkbonus,
zusätzliche rangabhängige Vergütungen.
Hier müssen zwei Geldquellen getrennt werden.
Die erste mögliche Wertschöpfung entsteht durch tatsächlich geschürfte Bitcoin.
Die zweite Geldquelle sind die Zahlungen der Teilnehmer für Spots, Cores, Karten, Geräte und weitere Produkte.
Direkt- und Netzwerkprovisionen werden durch Verkäufe ausgelöst. Sie sind daher zunächst Bestandteil der wirtschaftlichen Kalkulation dieser Verkäufe. Ob und in welchem Umfang sie aus Verkaufserlösen, Mining-Erträgen oder anderen Mitteln bezahlt werden, können wir derzeit noch nicht abschließend feststellen.
Dafür benötigen wir Einblick in:
vollständige Vergütungspläne,
Unternehmens- und Zahlungsströme,
Provisionsabrechnungen,
Mining-Erträge,
Walletbewegungen,
Jahresabschlüsse oder andere belastbare Finanzdaten.
Fest steht bisher lediglich:
Der geringe Mining-Ertrag eines einzelnen Cores erklärt für sich allein noch nicht das umfangreiche Provisions-, Rang- und Bonussystem.
Existiert die angebotene Rechenleistung?
Mining Race behauptet, ein Core repräsentiere 1 TH/s und erzeuge damit echte Bitcoin-Mining-Erträge.
Das ist technisch plausibel. Eine Gutschrift innerhalb einer App beweist jedoch noch nicht, dass die verkaufte Hashrate tatsächlich und dauerhaft außerhalb des Systems arbeitet.
Mining Race erklärt, mit externen Mining-Pools zu arbeiten. Für physische Geräte sollen sogenannte Observer Links zur Überwachung verfügbar sein. Mining Race – FAQ
Für eine unabhängige Prüfung der Cores benötigen wir insbesondere:
die Namen der verwendeten Mining-Pools,
nachvollziehbare Pool- beziehungsweise Worker-Daten,
öffentliche Observer Links,
dauerhaft messbare Hashrate,
Standorte der eingesetzten Mining-Anlagen,
Gerätebestand und Seriennummern,
Strom- und Hostingnachweise,
Wallets und Auszahlungswege,
Belege für die beworbene Gesamtmenge geschürfter Bitcoin.
Bis diese Nachweise vorliegen, lautet der korrekte Befund:
Mining Race bietet nach eigener Darstellung reale Rechenleistung an. Ob die gesamte verkaufte Hashrate tatsächlich existiert und den Teilnehmern vollständig zugeordnet wird, ist bislang nicht unabhängig nachgewiesen.
Was bedeutet die „Lizenz“?
Der Begriff „Spot License“ darf nicht mit einer behördlichen Genehmigung verwechselt werden.
Nach den Bedingungen handelt es sich um eine Software- beziehungsweise Zugangslizenz innerhalb des Mining-Race-Systems. Sie berechtigt zur Nutzung bestimmter Funktionen und Produkte.
Sie ist keine deutsche Erlaubnis für Bank-, Finanz- oder Wertpapierdienstleistungen.
Eine speziell gegen Mining Race gerichtete veröffentlichte BaFin-Warnung konnten wir in den bislang geprüften öffentlich zugänglichen Veröffentlichungen nicht feststellen. Das bedeutet jedoch weder, dass die BaFin das Modell geprüft hat, noch dass es in Deutschland genehmigt ist.
Die österreichische Finanzmarktaufsicht FMA warnte am 20. März 2026 vor Geschäften mit Miningrid L.L.C / Mining Race. Nach ihrer Einordnung handelt es sich bei den Mining Race Cards um Anteile an einem alternativen Investmentfonds, für deren Vertrieb in Österreich keine erforderliche Erlaubnis vorliege. Offizielle Warnung der österreichischen FMA
Diese österreichische Entscheidung gilt nicht automatisch für Deutschland. Sie ist aber ein ernst zu nehmender Hinweis für die weitere regulatorische Prüfung.
Die BaFin warnt allgemein davor, dass bei Cloud-Mining-Angeboten teilweise keine tatsächliche Rechenleistung bereitgestellt wird und eingezahlte Gelder nicht zurückgezahlt werden. Daraus folgt kein konkreter Betrugsvorwurf gegen Mining Race. Es zeigt lediglich, welche Nachweise bei solchen Angeboten erforderlich sind. BaFin: Achtung bei Cloud-Mining-Angeboten
Vorläufiges Ergebnis
Bitcoin-Mining ist real. Auch die Vermietung kleiner Teile einer größeren Mining-Leistung ist technisch möglich.
Der bislang untersuchte Core besitzt daher einen technisch grundsätzlich plausiblen Produktkern.
Die wirtschaftliche Rechnung überzeugt bisher jedoch nicht:
Ein Core soll nur 1 TH/s für zwölf Monate liefern.
Der modellierte Jahresertrag beträgt lediglich etwa 0,00018 BTC vor Gebühren.
Die reguläre Auszahlungsschwelle liegt bei 0,002 BTC.
Nach der ersten Rechnung sind mindestens zwölf, nach Abzug der Mining Fee ungefähr 13 bezahlte Core-Jahreslaufzeiten erforderlich.
Der Bitcoin-Kurs verändert den Geldwert, aber nicht die zur Auszahlung erforderliche Bitcoin-Menge.
Zusätzlich werden Spot-Lizenzen, Provisionen, Netzwerkboni und Rangvergütungen finanziert.
Die tatsächliche Existenz und Zuordnung der gesamten verkauften Hashrate ist noch unabhängig nachzuweisen.
Unser vorläufiges Fazit lautet deshalb:
Mining Race verbindet eine kleine, technisch mögliche Bitcoin-Mining-Leistung mit einem komplexen Lizenz-, Bonus-, Race- und Vertriebssystem. Die bisher erkennbare Mining-Wertschöpfung reicht allein nicht aus, um die wirtschaftliche Attraktivität des Gesamtmodells zu erklären.
Wir stehen mit der Analyse am Anfang.
Als Nächstes prüfen wir die beteiligten Unternehmen und Personen, die behaupteten Lizenzen, die Mining-Infrastruktur, die Pools, die Wallets, die Zahlungswege und die Finanzierung der Provisionen.
Weitere Ergebnisse folgen.